Ab 4. Juli ist das Damaskuszimmer samstags und sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Alle weiteren Ausstellungen des Museums für Völkerkunde Dresden sind geschlossen.

taxomania

Auch im Museum ist die Anwendung von Ordnungssystemen komplex und kontinuierlich im Wandel. Kein Ordnungssystem ist perfekt und stets historisch und kulturell verankert. Für Prolog #5 „TaxoMania“ ist eine surrealistische Wunderkammer entstanden, die die Manie des Ordnens zeigt. Geöffnet wird ein Universum von Objekten, die sich über- und unterordnen, gliedern, kategorisieren, sich mit kuriosen Bedeutungen und Werten aufladen.

Zu wem hast du gehört?

Mehr als 600 Sammlungsobjekte aus allen Ecken der Welt werden in einem kleinen Studiolo präsentiert. Was erzählen uns ein Fischspeer, eine Federkrone, ein Damenschuh, eine Klapper, eine Manillenkette, ein Goldschmuck, eine Lackdose, eine Vogelfigur, ein Straußenei, eine Duftkette, eine Brille, ein Talisman oder einen Tropenhelm über unsere Sammlungswut und unser Ordnungsverlangen? Nach welchen Kriterien werden Objekte klassifiziert und kann es je ein Ende jeglicher Ordnung geben?

Entdecken Sie hier die scheinbar kleinsten Objekte des Museums, ein Sammelsurium von Kämmen und Scheren, Stöcken und Stäben, Kalebassen, roten und blauen Objekten, leichten und schweren, aber auch Fragmente.

© Mo.Zaboli

die "zeit der anderen"

Lange beruhte die Klassifizierung sogenannter ethnologischer Objekte auf einem evolutionistischen Prinzip: Gelehrte vertraten die Auffassung, jede Kultur stünde auf einer bestimmten menschlichen Entwicklungsstufe, in ihrer eigenen Zeitblase gefangen und dazu verdammt, sich ewig selbst zu reproduzieren. Diese Kulturen seien kaum in der Lage, aus sich selbst herauszutreten, um sich in die Geschichte einzuschreiben, wie der Philosoph Hegel behauptete.

die zeit der anderen

Ethnologische Objekte wurden auf einer Skala der „allgemeinen Menschheitsentwicklung“ eingestuft, wobei die europäische Zivilisation die Endstufe der Skala und somit den Gipfel des Fortschritts darstellte und sich selbst als Vorbild aller Kulturen beschrieb. Das zivilisatorische Eingreifen des Westens sollte „rückständigen“ Gesellschaften ermöglichen, voranzuschreiten. Zeit und Raum, technologischer Fortschritt und menschliche Entwicklung wurden durcheinandergebracht. Ethnologen wurden zu Spezialisten für die „Zeit der Anderen“.

Die sogenannten ethnologischen Objekte, die in den vergangenen 150 Jahren massiv von Museen gesammelt wurden, die Objekte der „Anderen“ aus einer „anderen Zeit“ – wurde ein Platz außerhalb der Geschichte zugewiesen.

Inzwischen ist anerkannt, dass sich alle Kulturen innerhalb der gleichen Zeit bewegen und die Globalisierung fester Bestandteil der menschlichen Natur und nicht ein jüngeres Kapitel ihrer Geschichte ist. Somit geht es heute darum, auf der Grundlage einer gemeinsamen Zeit, die Uhren neu zu stellen, so dass die Zeiger nicht mehr nur um Europa kreisen.

© Jan Tschatschula
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